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FUFIS #177: Pixar nimmt euch mit ins Jenseits

 
 

Am 25. Dezember gibt es den neuen Pixarfilm Soul zum Streamen. Wie der Titel schon verrät, geht es um die Seele. Pixar hat also ein sehr abstraktes Thema ziemlich unterhaltsam umgesetzt. Wie Regisseur Pete Docter, Co-Regisseur Kemp Powers und Produzentin Dana Murray auf die Idee zum Film kamen und was die Herausforderungen dabei waren, haben sie uns im Interview verraten.

Wie kamt ihr auf die Idee einen Film über die Seele zu machen?

Pete Docter: Nun, ich denke, wir alle sehen uns als mehr als nur unsere Knochen und Haut. Wir wissen, dass es etwas Wesentlicheres an der Wurzel dessen gibt, wer wir sind. Und so haben wir nachgeforscht. Woher kommen das Wesentliche? Woher kommt die Seele und was ist der Kern eines jeden von uns? Wie kann es dazu kommen, das wir Eigenschaften wie z.B. Optimismus haben?

War es einfacher oder schwerer ein Film über so etwas abstraktes zu machen?

Pete Docter: Es war wahrscheinlich schwieriger, meinst du nicht auch?

Dana Murray: Ja, ich habe auch schon bei Alles steht Kopf mit Pete gearbeitet und war definitiv dankbar für diese Erfahrung, weil ich das Gefühl hatte, dass es ein Bootcamp dafür war, denn selbst ich dachte: Ist das dein Ernst? OK, lass uns das herausfinden.

Wie sieht denn der kreative Prozess bei euch aus? Wie kommt ihr auf eure Ideen?

Pete Docter: Es ist sehr kooperativ und man probiert viele Dinge aus. Es fängt klein an. Also ganz am Anfang haben nur Dana und ich daran gearbeitet und dann kam Mike Jones dazu, einer der ersten Drehbuchschreiber. Und als wir mehr wurden, brachten immer mehr Menschen ihre Ideen ein. Das wozu du fähig sein muss ist die „Yes and“ Sache. Es ist wie beim der Improvisation. Wenn man improvisiert, kann man nicht einfach das Thema wechseln. Wenn abgesprochen wurde, wir sind in einem Parkhaus, müssen wir uns alle darauf einlassen. Wir können nicht plötzlich über Lebensmittel reden. Ich denke, das Erstellen einer Geschichte ist sehr ähnlich. Man muss sagen: OK, hier ist, was wir bisher haben. Lass uns damit Ball spielen. Lassen uns das Ding weiter machen, bis wir feststellen, dass es nicht funktioniert. Und dann kann man es ändern. Aber es gibt viele „Yes and“ Gedanken und eine Art Ermutigung, die meiner Meinung nach der Prozess braucht.

Wie lange dauert es von der Idee bis zum fertigen Film?

Dana: Wir haben für Soul vier Jahre gebraucht. Durchschnittlich braucht man für unsere Filme normalerweise ungefähr fünf Jahre. Obwohl vier Jahre wie eine Ewigkeit klingen, waren wir tatsächlich ziemlich schnell.

Pete Docter: Ja, es ist wirklich größtenteils das Schreiben, das viel Zeit kostet.

Kemp Powers: Ja genau, schieb es auf die Schreiber. Schieb alles auf die Schreiber.

Dana Murray: Ja. Es sind immer die Autoren Schuld. Sie können es einfach nicht hinbekommen. [alle lachen]

Wenn der Zeitplan so eng ist, darf man keine kreative Blockade haben. Man kann doch aber nicht 24/7 kreativ sein. Was macht ihr, wenn ich doch mal blockiert seid?

Pete Docter: Wer war das nochmal der gesagt hat: „Blockaden sind für Amateure“? Für mich ist es nicht so, dass ich keine Ideen habe, ich fühle mich einfach so, als wären sie alle mies. Aber dann wählt man eine der miesen Ideen aus, die die am wenigsten mies ist, und bewegen sich vorwärts und schaut, was sie einem beibringt. Es gibt eine andere Geschichte darüber. Ich weiß nicht, ob die wahr ist, aber ich habe das Gefühl, dass es sehr auf uns zutrifft: Ein Regisseur kommt zurück zum Set, wo der Choreograf mit der Crew zusammenarbeiten sollte. Stattdessen sieht er wie alle herum sitzen. Er fragt: was macht ihr? Als Antwort bekommt er, wir wissen nicht wie wir es anstellen sollen. Und der Regisseur sagt nur: tut wenigstens irgendetwas, damit wir es ändern können. Und ich fühle mich auch so. Als ob wir einfach etwas ausprobieren und es dann ändern.

Kemp Powers: Ich würde noch gerne der Idee widersprechen, dass man nicht sieben Tage die Woche daran arbeiten kann, weil es sich anfühlte, als hätten wir sieben Tage die Woche daran gearbeitet.

Zu den Filmen, die ihr bisher gemacht habt, gehören u.a. Toy Story 2, Monster AG, Findet Nemo und Cars. Das sind alles eindeutig Filme, die auch für Kinder geeignet sind. Bei Soul hatte ich da ein paar Zweifel. Ist Soul ein Pixarfilm, der überwiegend Erwachsene ansprechen soll?

Pete Docter: hoffentlich ist er immer noch für alle. Aber ich denke, im Kern ist es wahrscheinlich eher ein erwachseneres Thema als einige unserer anderen Filme. Aber nach dem, was ich bisher gesehen habe, denke ich, dass Kinder es auch wirklich mögen. Weißt du, als wir es mit Kindern geschaut haben, war für jeden etwas dabei.

 

 
 
 
Autor: Jessica Neumayer | Gesprächswert: 94%